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Speichelsteine

Jeder kennt Aphten, aber was sind Speichelsteine und wie behandelt man sie? Entzünden sich die Speicheldrüsen in der Mundhöhle, können auch Speichelsteine eine der Ursachen hierfür sein. Sie sind verantwortlich für einen verstopften Ausführungsgang der Speicheldrüse. In Folge der Verstopfung vermehren sich Viren und Bakterien in der dahinter liegenden Speicheldrüse in dem angestaute Speichel. Die Folge davon sind schmerzhafte Entzündungen. Die Behandlung der Symptome und die Beseitigung von Speichelsteinen gehören zu dem Spezialgebiet des HNO-Arztes, der umgehend aufgesucht werden sollte. Viele fragen sich ob Speichelsteine verhindert werden können.

Woraus bilden sich Speichelsteine?

Speichelsteine
Speichelsteine Größe
von PGA (Eigenes Werk) [GFDL, CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Speichelsteinen werden auch Sialolithen genannt! Es sind im Prinzip kleine feste Steine, die in jeder der Drüsen in der Mundhöhle bilden können. Sie sind in der Mehrheit aus Kalziumkarbonat und aus Kalziumphosphat gebildet und werden von einigen Millimetern bis zu etwa 2 Zentimetern groß. Oft bleiben die Speichelsteine unentdeckt. Wenn Patienten beschwerdefrei sind, werden die Steine meist als Zufallsbefund im Rahmen einer Röntgenaufnahme festgestellt. Ist der Verlauf günstig, werden die Speichelsteine von allein ohne größeres Zutun von außen aus den Ausführungsgängen der Drüsen gespült. Wenn er allerdings in den Speichelgängen stecken bleibt, entwickelt sich eine äußerst schmerzhafte und akute Speicheldrüsenentzündung, auch Sialolithiasis genannt, als Folge. Diese verursacht Beschwerden dank der verstopften, schmerzhaften und eitrigen Ausführungsgängen mit angeschwollenen Drüsen.

Mit Massagen oder einen ärztlichen Eingriff kann der Speichelstein entfernt werden. Die Speichelsteine tritt in 60 bis 90 % der Fälle in den Unterkieferspeicheldrüsen au. In Deutschland sind es ca. 5.000 Personen pro Jahr bei denen sich Speichelstein bildet. Die Patienten sind meist in einem Alter zwischen 20 und 50 Jahre. Speichelsteine treten aber auch bei Kindern auf. Speichelstein dürfen allerdings nicht mit Aphthen verwechselt werden, die ähnliche Symptome zeigen und ebenfalls oft im Bereich des Unterkiefers auftreten.

Wo liegt die Ursache bei der Bildung von Speichelsteinen

Aus welchem Grund sich ein Speichelstein bildet ist aktuell noch völlig ungeklärt. Eine Ursache für die Bildung von Speichelstein kann die Veränderung der Speichelzusammensetzung. Der Speichel verändert sich zum Beispiel beim auftreten von Kalziumüberschuss (einer Hyperkalzämie), Diabetes mellitus, bei Gicht. Speichelstein entsteht durch zu enge Drüseneingänge die zu andauerndem Sekretstau oder zu wiederholten Entzündungen führen.
Speichelstein
Speichelstein am Ausführungsgang der Unterkieferspeicheldrüse
von James Heilman, MD (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Auch bei Erkrankungen wie der Mukoviszidose, bei denen verengte Drüsenkanäle zum allgemeinen Zustand dazu gehören, kann sich Speichelstein bilden. Auch verschiedene Viruserkrankungen könnten die Ursache von Speichelsteinen sein. Bei Kindern werden die Speichelsteine mit Mumps in Verbindung gebracht. Bei dieser Viruserkrankung schwellen die Speicheldrüsen an und das kann zu Entzündungen führen. Auch das Coxsackie-A-Virus und Zytomegalie können mögliche Ursachen sein. Grundsätzlich können sich Speichelsteine in jeder Speicheldrüse im Kopfbereichs auftreten, aber es bildet sich vornehmlich in einer der großen Speicheldrüsen eine Verstopfung der Ausführungsgänge.

Welche Symptome deuten auf Speichelstein hin?

Die Entzündung der Speicheldrüse tritt in er Regel akut und einseitig auf. Ein Speichelstein löst aber auch ohne eine gleichzeitig auftretende Speicheldrüsenentzündung Symptome aus. Abhängig von der Größe und auch der Lage des Speichelsteins sind die Symptome mehr oder weniger heftig. Das Merkmal für eine entzündete Speicheldrüse oder die von Speichelsteinen verursachte Entzündung ist die typische Schwellung der Speicheldrüse. Sie tritt in Verbindung mit Schmerzen beim Kauprozess auf. Die Symptome verstärken sich meist bei der Nahrungsaufnahme. In dieser Situation verstärkt sich die Speichelbildung und der Druck auf die entzündeten Gewebebereiche steigt.

Die Haut, um die durch den Speichelstein betroffene Drüse, kann gerötet sein und fühlt sich oft warm an. Es kann Fieber dabei auftreten. Hin und wieder entleert sich der Eiter aus der entzündeten Drüse in die Mundhöhle. Es ist ein unangenehmer Geschmack wahrnehmbar. Bei der länger anhaltenden Entzündung kommt es zur Abszessbildung. Das sind eingekapselte Eiteransammlungen, die aufbrechen können und die sich dann über die Haut abfließen oder die sich in das danebenliegende Halsgewebe erweitern. Das führt zu einer allgemeinen Infektion bis hin zur Blutvergiftung (Sepsis). Chronische Entzündungen haben oft eine Vernarbung sowie eine Atrophie des Gewebes als Folge. Die Speichelproduktion wird beinahe ganz gehemmt, die Drüse zeigt sich beim Abtastbefund wie ein fester Knoten an.

Wie diagnostiziert man den Speichelstein?

Die Diagnose ob es sich um einfache Aphten oder um Speichelstein handelt erfolgt mit Hilfe von einer Untersuchung der betroffenen Speicheldrüse. Angaben des Patienten über die, für ein Speichelstein typischen Beschwerden (wie Schmerzen beim Kauen) und den damit einhergehende Gewichtsverlust erhärten den Verdacht auf das Vorliegen von entzündeten Speicheldrüsen. Wenn ein Arzt die betreffende Speicheldrüse abtastet, tritt dabei Eiter durch den Ausführungsgang aus – ein fast sicheres Merkmal von Speichelstein. Der Arzt macht einen Abstrich und lässt den Eiter im Labor untersuchen. Er untersucht natürlich den gesamten Mundbereich nach weiteren Entzündungsursachen. Eine Blutuntersuchung kann zusätzlich herangezogen werden, die Speicheldrüsenentzündung näher zu definieren.

Mit einer Ultraschalluntersuchung kann das Vorhandensein von Speichelstein zusätzlich gesichert werden. Ein Speichelstein ab der Größe von 8 mm findet man hierbei und stellt sicher, dass es Speichelsteine sind und es sich nicht um einen einfachen Abszess oder einen Tumor handelt. In Einzelfällen kommen beim Verdacht auf Speichelstein auch CT, MRT oder eine Endoskopie im Speichelgangs sowie die Feinnadelpunktion zum Einsatz, um dem Patienten helfen zu können. Doch eine effektive gut geeignete Untersuchungsmethode von Speichelstein ist eine Sialographie. Ein Kontrastmittel zeigt auf dem hiermit angefertigten Röntgenbild Veränderungen.

Wie behandelt man Speichelsteine?

Im Allgemeinen wird bei einer Speicheldrüsenentzündung die Speichelbildung angeregt. Dias erfolgt mittels sogenannter Speichellocker. Das sind: zuckerfreie Kaugummis, Bonbons oder bestimmte Getränke. Der damit angeregte vermehrte Speichelfluss reinigt die entzündete Speicheldrüse und kann, geht alle wie geplant, Speichelstein aus dem Speichelabflussgang nach außen befördern. Entzündungshemmende Medikamente, wenn notwendig Antibiotika sollen bakterielle Erreger abtöten.

In jedem Fall ist eine Konsultation beim HNO-Arzt unumgänglich. Er probiert bei einer Sitzung den Speichelstein mit leichten massierenden Bewegungen zu lösen und durch den Drüsenausgang zu entfernen. Gelingt es, wird Speichelstein mit dem vermehrten Speichelfluss ausgespült. In manchen Fällen, bei großen Steinen kann Speichelstein mit Hilfe von einer extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL) zertrümmert werden. Bei dieser Behandlungsmethode werden Ultraschallwellen von außen den Speichelstein erreichen, um ihn in kleine Konkremente zu zertrümmern. Diese Behandlung erfordert oftmals eine mehrfach wiederholte Durchführung. Wenn die Speichelsteine zerbrechen, werden sie mit dem Speichelfluss ausgespült oder es sind weitere minmal-invasive Techniken erforderlich. Die Kombination der verschiedenen Techniken ( “multimodale Therapie” genannt) kann den Erfolg der Behandlung erheblich steigern.

Unter endoskopischer bzw. unter Ultraschallkontrolle kann das Aufdehnen vorhandener Engstellen erfolgen. Dabei können verschiedene Instrumente benutzt werden wie: Ballons, Bohrer, kleine Zangen und Platzhalter (die Stents oder Drains). Auch Kombinationen von mehreren Techniken können von Vorteil sein. Der Speichelfluss befördert die Trümmer nach draußen.

Manchmal ist es nötig, den gesamten Speichelstein durch einen operativen Eingriff zu entfernen. Dabei macht der Arzt einen Schnitt seitlich in den Drüsengang und befördert dabei den Speichelstein hinaus. Der Drüsengang wird im Anschluss wieder mit einer Naht verschlossen. Der Arzt kann zur Sicherheit ein zusätzlich eines Abflussröhrchen, das “Drain” einlegen, bis die Wunde sauber verheilt ist. Wenn Speichelsteine derart ungünstig liegt, dass er nicht ohne Weiteres zu entfernen ist, muss der operierende Arzt vielleicht die gesamte Speicheldrüse entfernen. Bei einer Operation ist ein Krankenhausaufenthalt für circa sieben Tage angesagt.

Der Patient kann es auch mit einer Selbstbehandlung versuchen. Er kann wie der Arzt es mit einer Massage versuchen, ob die Speichelsteine sich dadurch lösen. Die Drüsenausgänge findet man selbst mit Hilfe von einem Spiegel und Taschenlampe. Sie liegen direkt hinter den Schneidezähnen des Unterkiefers und im Wangenbereich auf dem Niveau der ersten Mahlzähne oben.

Bei der Therapie mit Antibiotika geht die Entzündung meist schnell zurück. Es ist eine vollständige Ausheilung der entzündeten Bereiche erwartet werden. Muss die Speicheldrüse entfernt werden, ist keine wahrnehmbare Einbuße beim Speichelfluss und der Speichelproduktion zu erwarten. Bei einer Operation kommt es in wenigen Fällen zur Schädigung der Gesichtsnerven und zu Lähmungen. Diese Komplikationen gibt es nur in seltensten Fällen.

Können Speichelsteine vorgebeugt werden?

Einer Speicheldrüsenentzündung und deren häufigsten Risikofaktor dafür, den Speichelsteinen, kann man mit einer gründlichen Mundhygiene und guter Zahnpflege sowie einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme vorbeugen. Das Anregen der Produktion von Speichel z.B. durch zuckerfreies Kaugummi ist eine gute Vorsorgemaßnahme. Der erhöhte Speichelfluss stellt für die Speicheldrüsen eine bedeutsame Reinigungsfunktion dar und kann eventuell vorhandene kleine Speichelsteine direkt ausspülen ehe sie sich vergrößern und festsetzen können.

Zur Anregung der Produktionen Speichel und der Verhütung von Speichelstein können Patienten auch zuckerfreie Bonbons lutschen oder Speichel anregende Flüssigkeiten trinken. Sollte Speichelstein bereits gebildet sein, dann ist es wichtig, ihn möglichst umgehend zu entfernen, um einer belastenden und schmerzhaften Speicheldrüsenentzündung vorzubeugen.

Speichelsteine – Fazit:

Kleine Speichelsteine, die in den Speicheldrüsen des Mundraums gebildet werden, verursachen meist keine Beschwerden. Sie werden mit dem Speichel ohne weitere Beschwerden ausgespült. Jedoch können größere Steine die Speichelkanäle verstopfen und zu unangenehmen Schwellungen führen. Die größte Zahl aller Speicheldrüsenverstopfungen wird von Speichelstein verursacht. Dieser ruft oft schmerzhafte Symptome hervor, kann jedoch zumeist gut und mit wenig Risiko behandelt werden. Wer beim Kauen und einer erhöhten Speichelproduktion Schmerzen hat, sollte möglichst umgehend einen HNO-Arzt aufsuchen. Nur so kann verhindert werden, dass eventuell vorhandener Speichelstein eine Entzündung in der Speicheldrüse hervorruft. Weil die Ursachen die für die Bildung des Speichelsteins nicht ganz klar sind, kann seine Entstehung leider nicht zu 100 % verhindert werden. Eine penible Mundhygiene kann jedoch in jedem Fall, das Risiko helfen zu senken. Bei jeder Entzündung im Mund ist Speichelstein auszuschließen.